Ich hab’s geschafft! Ich bin tatsächlich einen verdammten Marathon gelaufen!

Ich hab’s geschafft! Was kann ich sagen? Ich hab’s geschafft! 🙂

Unglaublich, aber wahr! Ich bin noch immer überwältigt von meinem Stolz. Hehe…

OK, genug davon. 🙂 Ich bin am 02. Juni in San Diego, CA einen Marathon gelaufen. Es war mein erster und es ist so viel besser gelaufen, als ich erwartet hätte:

Die Nacht vorher haben Sophie und ich natürlich sicherstellen wollen, dass wir unser Carb-Load-Pasta-Dinner bekommen. Wir wollten also in dieses gute Restauramt gehen, das ich in Hillcrest kenne. Aber, als nachdem wir dann endlich einen Parkplatz gefunden und beim Restaurant ankamen, waren wir von dem Haufen Leute dort ziemlich überrascht. Es war Abschlussballnacht für die High School Kids hier und natürlich mussten die sich alle genau das Restaurant für ihre Dinner aussuchen. Also wieder zurück zum Auto. Dann haben wir uns entschieden zur California Pizza Kitchen zu gehen. Die sind immer gut. Das einzige Problem war, dass das ganze Herumgefahre schon so viel Zeit hat verloren gehen lassen. Mein Plan war ein gutes Pasta-Dinner zu holen, die Dokumentation “The Spirit of the Marathon” zu gucken, um in die richtige Stimmung zu kommen und dann alles für den nächsten Morgen zusammenpacken. Stattdessen haben wir unser Abendessen erst um 21 Uhr bekommen. Also mussten wir die Doku wohl streichen. Stattdessen haben wir gegessen und uns direkt um die Sachen für das Rennen gekümmert. Wir mussten schon um 3 Uhr morgens wieder raus und ich wollte eigentlich schon um 21 Uhr ins Bett. Echt schon da lief so gar nichts nach Plan. Wir haben dann unsere Knie und Füße mit KT Tape zugekleistert und sichergestellt, dass wir alles für den nächsten Tag hatten.

Als wir es dann endlich ins Bett geschafft haben, war es bereits 23 Uhr. Ja, wunderbare 4 Stunden Schlaf lagen vor uns. Schön wär’s… Nein, nicht, wenn man einen so einen bescheuerten Studenten zum Nachbarn hat, der die ganze Nacht lang das F-Wort durch die Gegend schreit. Keine Ahnung, warum! Um 23.45 Uhr hab ich dann nach draußen geschrien, er möge doch bitte ein bisschen weniger “F***k” schreien. Er hat mich nicht gehört, also musste ich wohl mein Fenster zumachen und wir mussten schwitzen. Schön, dann waren es nur noch 3 Stunden entspannender Schlaf.

Aufgestanden sind wir also um 3 Uhr. Man, ich hasse es so früh aufzustehen. 🙁 Zu dem Zeitpunkt habe ich auch festgestellt, dass ich immer noch voll war vom Pasta-Dinner. 🙂 Naja, wir haben uns fertig gemacht. Ich hab mir dann trotzdem noch mein typisches Prä-Lauf Erdnussbutter-Bananen-Sandwich gemacht und um 4 Uhr haben wir das Haus verlassen und uns in Richtung Old Town Trolley Station auf den Weg gemacht. Wir haben uns entschieden, den Trolley zur Startlinie zu nehmen, weil ich mich nicht schon morgens um 4.30 Uhr damit abkämpfen wollte, einen Parkplatz zu finden. Und die haben auch ein paar extra Trolleys für dieses Event gehabt, die uns direkt zur Startlinie bringen würden.

Ein Haufen anderer Leute stand auch in Old Town, somit hatten wir schon dort die ersten interessanten Unterhaltungen mit anderen Läufern. Nach einer Weile haben wir aber alle festgestellt, dass der Trolley spät dran war. Der Trolley sollte um 4.38 Uhr von Old Town abfahren und dann um 5.01 Uhr in der Näher der Startlinie ankommen.  Um 4.55 Uhr kam dann endlich der Trolley, aber der war total voll. Der Trolleyführer hat uns dann mitgeteilt, dass noch einer in ca. 5 Minuten kommen würde. Somit haben wir uns dann alle entschieden zu warten, anstatt uns noch da mit reinzuquetschen. Fünf Minuten später kam er dann auch und wir haben uns alle reingesetzt. Nach einiger Zeit schauten wir uns allerdings alle ziemlich fragend an. “Fahren wir etwa in die falsche Richtung?” Verdammt, verdammt, verdammt!!!! Ja, das tun wir! Der blöde Trolleyführer ist nicht den Weg gefahren, den er fahren sollte. Stattdessen hat er uns den ganzen Weg runter nach Downtown gebracht. Ich fing schon an in Panik zu geraten und hab die ganze Zeit immer wieder auf die Uhr geschaut. Es war schon 5.30 Uhr. Der Marathon startete um 6.15 Uhr! Oh mein Gott, würden wir das noch schaffen? Kämen wir zu spät, würdem die uns runterstufen zum Halbmarathon. Das dürfte auf gar keinen Fall passieren!!! Ich hab doch sooo hart dafür trainiert!

OK, wir haben dann beschlossen, noch nicht auszuflippen und einfach zur gelben Linie zu wechseln und dann wieder hochzufahren. Als wir dann bei 12th & Imperial (Downtown) ankamen, sagte der Trolleyführer per Durchsage “Gäste können von hier auf die gelbe Linie Richtung El Cajon wechseln.” El Cajon?? Das ist im Landesinnern – Richtung Osten. Wie sieht’s mit der anderen Richtung aus??? Nichts! Wir sind aus dem Trolley ausgestiegen, und ich spreche hier von ca. 40 Leuten, und gerieten nun alle in Panik als wir herausfanden, dass von dieser Station keine gelbe Linie gab, die uns wieder noch bringen würde. Oh scheiße! Was machen wir denn jetzt? Ich bin also losgerannt und hab nach irgendjemandem gesucht, den ich fragen könnte. Ich hab dann einen Mann gefunden, der mir mitteilte, dass es einen Shuttle Bus ungefähr 3 Blocks weiter runter gäbe. Es war schon 5.40 Uhr! Ich musste mich beeilen! Ich wollte dieses Rennen nicht verpassen! Also, bin ich losgeflitzt! Und falls jemand mal behaupten sollte, ich hätte keine Führungsqualitäten, der hätte sehen sollen, was dann passiert ist. Die ganzen 40 Leute hinter mir, sind mir einfach – ebenso rennend – gefolgt!!! 😀 Wir waren also alle am Rennen! Ich am Kopf der Gruppe, habe 40 rennende Leute die 3 Blocks runter zum Shuttle Bus angeführt! Hihi…

Als wir es dann endlich in den Bus geschafft hatten (Gott sei Dank, die ließen uns auch ohne das notwendige Armband rein), war es bereits 5.45 Uhr. Glücklicherweise hat der Busfahrer unserer Dilemma verstanden und ist gefahren wie ein Irrer! Er hat sich an einer langen Schlange auf der Freeway-Ausfahrt vorbeigemogelt und ist von der Linksabbiegerspur aus rechts abgebogen. All das, nur um sicherzustellen, dass wir es pünktlich zur Startlinie schaffen würden. Um 5.50 Uhr sind wir dann endlich dort angekommen!!!

Wow, sooo viele Leute! Unglaublich cool! Plötzlich wurde ich ganz aufgeregt und hab mich vollkommen auf den Marathon gefreut. All diese Energie an diesem Ort war so ansteckend. OK, wir sind dann also losgeflitzt zu den Gear Trucks, dort konnten wir unsere Taschen abgeben, die dann zur Ziellinie transportiert wurden. Und dann mussten wir immer noch auf’s Klo. Ich musste WIRKLICH dringend. Auf gar keinen Fall konnte ich das Rennen beginnen, ohne vorher zur Toilette gewesen zu sein. ABER, es gab 3.000 Dixie-Klos für mehr als 30.000 Leute! Ja genau, rechnet ma’! Überall waren riesige Schlangen! Naja, wir haben uns dann an der angestellt, die uns am kürzesten vorkam. Und warteten… und warteten…  Ich hab immer wieder ganz nervös auf die Uhr geschaut. Jetzt war es schon 6.07 Uhr! Wie gesagt, der Marathon ging um 6.15 Uhr los! Dann hab ich die Geduld verloren und hab alle Halbmarathoner in der Schlange gefragt, ob die so nett wären uns nach vorne durch zu lassen. Die hatten schließlich noch eine halbe Stunde länger, bevor der Halbmarathon losging. Glücklicherweise hatten die kein Problem damit. Wir sind dann also pinkeln gegangen und im Affentempo zur Startlinie geflitzt. Wir haben es dann 2 Minuten bevor das Rennen losging dorthin geschafft! Meine Güte! Ich war da schon fix und fertig! Was für’n Stress!

Aber ratet mal? Sobald wir dort in der Menge mit all diesen anderen Läufern standen, war der ganze Stress mit einem Mal weg! Wir waren einfach nur noch aufgeregt und haben uns gefreut, dass es jetzt losgehen würde. Da waren soooo viele Leute. Wir konnten gar nicht glauben, dass wir Teil davon waren. Und dann hörten wir schon den Countdown… es war soweit! Wir würden es wirklich tun! 🙂 Juppi!!

Wir haben uns so toll gefühlt! Vom ersten Schritt an, habe ich grinsen müssen und das Grinsen habe ich die ganzen 42 km auch nicht mehr abstellen können! Hehe… es war einfach nur großartig!

Unser Plan war es, uns zunächst mal an den 4:25 Zugläufer zu halten. Wir dachten, das wäre ein ganz gutes Starttempo. Es war so gemütlich, dass wir uns immer noch unterhalten konnten. Ich wollte ja absolut vermeiden, dass ich zu aufgeregt werde und dann schon zu Anfang wie eine Irre losrenne. Ich wollte einer der schlauen Läufer sein, die sich ihre Energie für die zweite Hälfte aufbewahren. Und das haben wir auch, wir konnten dieses Tempo ziemlich gut einhalten. Wir dachten aber nicht, dass wir es die ganze Zeit durchhalten, bei dem Zugläufer zu bleiben. Als wir uns vorher mal über unsere gewünschte Zielzeit unterhalten haben, haben wir immer gedacht 4:30 Stunden wäre so unser Traum. Das wäre einfach genial, aber wir haben nicht geglaubt, dass wir das schaffen würden. 4:45 Stunden wäre immer noch ziemlich gut, aber letztendlich wären wir mit allen unter 5 Stunden ganz happy.

Naja, wir waren wohl in viel besserer Form, als wir dachten. Der 4:25 Typ war die ganze Zeit direkt vor uns. Sogar, wenn wir mal an den Wasserstationen angehalten sind, um ein Schluck Wasser oder Gatorade zu trinken, wir haben den Typen immer wieder relativ schnell wieder eingeholt. Es war einfach so easy für uns! Es hat sich so gut angefühlt. So viel besser als ich mich bei meinem 20-Meilen-Trainingslauf (32.2 km) noch drei Wochen zuvor gefühlt hatte. Sooo viel besser! Das Wetter hat es uns aber auch ziemlich einfach gemacht. Es waren vielleicht 15 Grad Celsius und bewölkt. Einfach nur perfekt! 🙂

Naja, wir sind also gerannt, und gerannt, und gerannt… Ich hab wohl zwischendurch immer mal wieder meine Knie und Füße schmerzen gespürt, aber es war wirklich halb so wild. Und unter uns, ich bin auch auf Tylenol (Acetaminophen) gerannt. 😉 Ich habe ganz oft gelesen, dass Athleten das vor und während eines Marathons machen. Und da ich schon seit langem Knie- und Fußschmerzen hatte, wollte ich halt nicht, dass das der Grund für mein Scheitern werden würde oder, dass ich in einem miserablen Zustand laufen müsste. Und… aber hallo, das werde ich hundertprozentig wieder tun! Es hat den Schmerz nicht komplett verhindert, aber es hat definitiv ein bisschen die Schärfe daraus genommen. Es hat es für mich um einiges einfacher gemacht.

Abgesehen davon, hab ich aber auch wirklich penibel darauf geachtet, dass ich meine Kohlehydrate zu mir nehme. Bei Langstreckenläufen ist es unheimlich wichtig, darauf zu achten, dass man seinen Körper regelmäßig und vor allem rechtzeitig mit Kohlehydraten, Elektrolyten, Salzen und Kalium wieder auftankt. Ich hab so viel Gatorade getrunken wie ich konnte, aber ich hab ebenso 400 Kalorien in Form der  Cliff Shot Blocks zu mir genommen. Die mag ich echt gerne. Viele Leute können beim Laufen nicht kauen, aber die Gels, wie zum Beispiel GU sind mir einfach zu ekelig. Die Shot Bloks schmecken wie süßere Gummibeeren.

Ich war so voller Energie… das hat den ganzen Lauf so viel mehr Spaß machen lassen. Aber ich muss wirklich sagen, dass das Laufen mit so einer Menge von Leuten und all den Zuschauern, die einen von den Straßenseiten her anfeuern, das ganze Marathonerlebnis vervollständigen. Ich hab mich von allen so motiviert und angefeuert gefühlt! 🙂 Das hat sogar bewirkt, dass ich nicht mal mehr Angst vor dem Freeway-Teil des Marathons hatte. Ab Meile 20 (KM 32) gingen wir auf den Freweway 163 für ungefähr eine Meile (1,6 km) und zwar alles bergauf!! Und das bei Km 32 wohlbemerkt!!! Während des Trainings, hatte ich immer tierisch Angst vor dem Teil. Aber als wir dann im Marathon bei Km 32 ankamen, war alles, was ich denken konnte: OK, und jetzt nur noch 10 km!

OK, ich muss aber zugeben, der Freeway war mörderisch. Heilige Scheiße! Das war wirklich anstrengend. Den ganzen Weg bergauf. Man, man, man… Aber Sophie und ich haben uns dadurch gepusht und sind den ganzen Weg gerannt. Wir sind nicht gegangen. Ich war wirklich stolz auf uns in dem Moment. Wir sind schon ein paar harte Weiber, oder? 😛

Naja, allerdings war das wohl nicht der letzte Hügel bis zum Ziel. Es folgten noch ein paar weitere, aber ich war so bestimmt, das Rennen stark zu beenden, dass ich alle Hügel raufgerannt bin, als wären sie nichts. Sophie hat schon gedacht, ich muss das Tylenol wohl mit Speed oder irgendeiner anderen Droge ausgetauscht haben. Als wir es dann bis zum Pershing Drive geschafft hatten, hatten wir ungefähr noch 3,2 km vor uns, und von dem Moment an, war es mehr bergab als bergauf. Ich wollte nur noch rennen, so schnell wie ich kann. Sophie und ich haben schon vor Monaten vereinbart, dass wir den Marathon zusammen beenden. Wir waren uns einer Meinung, dass das wichtigste für uns ist, dass wir es zusammen machen. Als also Sophie’s Knie auf dem Bergab-Teil anfingen, wirklich weh zu tun, habe ich mich zurückgehalten und bin bei ihr geblieben. Ich muss zugeben, dass ich allerdings immer ein bisschen schneller geworden bin und mich dann wieder abbremsen musste. Aber ich glaube immer noch… wisst ihr, das hätte auch ich sein können. Und ich hätte es total zu schätzen gewusst, nicht alleine dadurch gehen zu müssen. Es war unser Ding und wir würden es zusammen beenden… was auch immer passiert!

Sobald ich allerdings die Ziellinie gesehen habe, war mein ganzer Körper so unter Strom, dass ich es mir nicht verkneifen konnte. Ich hab sie angeschaut und gerufen: Komm schon, Lady wir rennen da jetzt durch! Und dann sind wir gerannt. Wir sind gerannt, so schnell wir konnten. Wir haben jeden übriggebliebenen Funken Energie zusammengesammelt und sind durch das Ziel gerannt! 🙂 🙂 🙂

Oh mein Gott! Was für ein hammergeiles Erlebnis, das beste Gefühl in der Welt! Ich war so überwältigt, ich wusste gar nicht, ob ich weinen oder lachen sollte. Und dann war ich auch noch so außer Atem, also war alles, was aus mir herauskam, ein seltsames fiepsiges Quietschen der Aufregung, Erschöpfung und Freude!!! Ich war der glücklichste Mensch auf Erden, hundertpro!

Oh wow, mir ist jetzt mal gerade aufgefallen, dass ich hier Ausrufezeichen, wie blöde benutzt habe ;). Aber wie sonst soll ich das Gefühl beschreiben, dass ich zu dem Zeitpunkt hatte? Ich schätze, das geht nicht. Ich kann nur sagen, stellt euch einen Moment vor, in dem ihr euer größtes Ziel erreicht habt. Etwas, wovon ihr schon immer geträumt habt, etwas, das euch fühlen lässt, als wenn ich zu Allem imstande seid. Etwas, das euch so dermaßen cool vorkommen lässt, dass ihr denkt, alle anderen haben doch gar keine Ahnung!

So fühlt es sich an, einen Marathon zu beenden!!!!! 🙂

Sophie und ich haben unseren ersten Marathon mit einer Zeit von 4:28:06 abgeschlossen! Ja, sogar besser als unsere höchste Erwartung. 🙂   Wir freuen uns jetzt schon auf den nächsten Marathon. Der wird wahrscheinlich der Long Beach Marathon im Oktober sein. Jetzt will ich ja sehen, was ich erreichen kann, wenn die ganze Strecke flach ist. Lasst mal sehen, wie schnell ich werden kann. Hehe…

 

          

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